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ABD-RU-SHIN
Vortrage und Publikationen von J.N.Luzenko
J. N. LUZENKO - Film

Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft

Die Zehn Gebote Gottes und das Vaterunser

 

Auf der Suche nach Gerechtigkeit


Die Zehn Gebote Gottes

und

das Vaterunser

 

Abd-ru-shin

1. ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT! DU SOLLST NICHT ANDERE GÖTTER HABEN NEBEN MIR!

2. DU SOLLST DEN NAMEN DES HERRN, DEINES GOTTES, NICHT MISSBRAUCHEN!

3. DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN!

4. DU SOLLST VATER UND MUTTER EHREN!

5. DU SOLLST NICHT TÖTEN!

6. DU SOLLST NICHT EHEBRECHEN!

7. DU SOLLST NICHT STEHLEN!

8. DU SOLLST NICHT FALSCH ZEUGNIS REDEN WIDER DEINEN NÄCHSTEN!

9. LASS DICH NICHT GELÜSTEN DEINES NÄCHSTEN WEIBES!

10. DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN HAUS, HOF, VIEH UND ALLES, WAS SEIN IST!

DAS VATERUNSER

Die Zehn Gebote Gottes und das Vaterunser
Abd-ru-shin

Der Verfasser erschließt in diesem Buch die Zehn Gebote Gottes in ihrer vollen, das ganze Leben des Menschen umfassende Bedeutung – zur Hilfe in den Geschehnissen unseres Erdenlebens und darüber hinaus für unser ganzes Sein, über den irdischen Tod hinaus, als zuverlässige Richtschnur für unser ganzes Leben.

Die Deutung des Vaterunsers hilft den suchenden Menschen diesen »Schlüssel zum Reiche Gottes« in seiner tiefen Bedeutung für die Menschheit und darin die Botschaft Jesu richtig zu erfassen.

 

1. ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT! DU SOLLST NICHT ANDERE GÖTTER HABEN NEBEN MIR!

Wer diese Worte richtig lesen kann, der wird darin wohl schon das Urteil vieler sehen, welche dieses vornehmste aller Gebote nicht beachten.
»Du sollst nicht andere Götter haben!«
So mancher stellt sich unter diesen Worten viel zu wenig vor. Er hat es sich zu leicht gemacht! Unter den Götzendienern denkt er sich wohl in erster Linie nur jene Menschen, die vor einer Reihe Holzfiguren knien, von denen jede einzelne einen bestimmten Gott darstellt, denkt vielleicht auch an Teufelsanbeter und ähnliche Verirrte, deren er in bestem Falle mitleidig gedenkt, doch denkt er dabei nicht an sich.

Seht Euch nur ruhig einmal an und prüft Euch, ob Ihr vielleicht doch dazu gehört!

Der eine hat ein Kind, das ihm tatsächlich über alles geht, für das er jedes Opfer bringen könnte, worüber er alles andere vergißt. Der andere stellt irdischen Genuß weit über alles, würde auch zuletzt mit bestem Wollen gar nicht fähig sein, diesen Genuß um irgend etwas aufzugeben, wenn eine derartige Forderung an ihn heranträte, die ihm freiwilligen Entschluß gewährt. Ein dritter wieder liebt das Geld, ein vierter Macht, ein fünfter eine Frau, ein weiterer irdische Auszeichnung und alle wieder in dem allen zuletzt nur ... sich selbst!

Das ist ein Götzendienst im wahrsten Sinne. Davor warnt das erste Gebot, verbietet ihn! Und wehe dem, der es nicht buchstäblich befolgt!

Es rächt sich diese Übertretung sofort damit, daß ein solcher Mensch stets erdgebunden bleiben muß, wenn er hinübergeht ins feinstoffliche Reich. In Wirklichkeit hat er sich aber selbst nur erdgebunden durch den Hang an etwas, das auf Erden ist! Er wird damit von weiterem Aufstiege abgehalten, verliert die ihm dazu gewährte Zeit und läuft Gefahr, nicht rechtzeitig herauszukommen aus dem feinstofflichen Reich in einer Auferstehung daraus nach dem lichten Reich der freien Geister.

Dann wird er mitgerissen in die unausbleibliche Zersetzung aller Stofflichkeit, welche zur Reinigung für derenAuferstehung dient und deren Neubildung. Das aber ist der Menschenseele geistiger Tod alles persönlichen Bewußtgewordenseins und damit auch Vernichtung ihrer Form wie ihres Namens für die Ewigkeit!

Vor diesem Furchtbaren soll die Befolgung des Gebotes schützen! Es ist das vornehmste Gebot, weil es dem Menschen mit am nötigsten verbleibt! Er neigt ja leider viel zu leicht dazu, sich irgendeinem Hange zu ergeben, der ihn zuletzt versklavt! Was er aber zu einem Hange werden läßt, macht er damit zu einem goldenen Kalb, das er an die oberste Stelle setzt und damit auch als Götzen oder Abgott neben seinen Gott, sogar sehr oft noch über ihn!

Der »Hänge« gibt es leider nur zu viel, die sich der Mensch geschaffen hat und die er sich in größter Sorglosigkeit gern zu eigen macht! Hang ist die Vorliebe zu irgend etwas Irdischem, wie ich schon anführte. Es gibt deren natürlich noch viel mehr.

Wer aber einen Hang sich aneignet, der »hängt«, wie das Wort richtig wiedergibt. Er hängt dadurch am Grobstofflichen, wenn er in das Jenseits kommt zu seiner weiteren Entwicklung, und kann sich nicht leicht wieder davon lösen, wird also gehemmt, zurückgehalten! Man kann es ja auch Fluch nennen, der auf ihm lasten bleibt. Der Vorgang ist derselbe, gleichviel, wie er wörtlich zum Ausdruck kommt.

Stellt er jedoch im Erdensein Gott über alles, nicht nur in seiner Vorstellung oder nur in Worten, sondern im Empfinden, also wahr und echt, in ehrfurchtsvoller Liebe, die ihn bindet wie an einen Hang, so wird er durch die Bindung in der gleichen Auswirkung sofort weiter nach oben streben, wenn er in das Jenseits kommt; denn die Verehrung und die Liebe zu Gott nimmt er mit, sie hält und trägt ihn zuletzt in das Paradies, den Aufenthalt der reinen, von allen Lasten freigewordenen Geister, deren Bindung nur nach Gottes lichter Wahrheit führt!

 Achtet deshalb streng auf Einhaltung dieses Gebotes. Dadurch werdet Ihr vor vielen Schicksalsfäden ungünstiger Art bewahrt.

 

2. DU SOLLST DEN NAMEN DES HERRN, DEINES GOTTES, NICHT MISSBRAUCHEN!

Der Name weckt und sammelt in dem Menschen den Begriff! Wer einen Namen schändet und es wagt, ihn zu entwerten, der entwertet damit den Begriff! Dessen seid eingedenk zu jeder Zeit!

Dieses klare Gebot des Herrn wird aber unter allen zehn Geboten am wenigsten geachtet, also am meisten übertreten. Tausendfältig sind die Arten dieser Nichtachtungen. Wenn der Mensch auch wähnt, daß viele Übertretungen davon ganz harmlos sind, nur leichte Redensarten, so bleibt es trotzdem Übertretung dieses scharf gegebenen Gebotes!

Gerade diese tausendfachen angeblich nur harmlosen Nichtachtungen sind es, die den heiligen Gottesnamen und damit den Gottbegriff, der mit dem Namen immer eng verbunden ist, herabsetzen, ihn vor den Menschen, ja schon vor den Kindern seiner Heiligkeit berauben, seine Unantastbarkeit beschmutzen durch Alltäglichmachung, durch Herabzerrung in allgemeine Redensart!

Die Menschen scheuen nicht davor zurück, sich dabei ins Lächerliche zu begeben. Ich will nicht eine von den vielen Reden anführen; denn dazu ist der Name viel zu hoch und hehr! Aber jeder Mensch braucht auch nur einen Tag einmal darauf zu achten, so wird er wohl bestürzt werden über die ungeheure Anhäufung der Übertretung des zweiten Gebotes durch die Menschen beiderlei Geschlechts, bei Groß und Klein, bis herab zu den Kindern, die kaum fähig sind, schon einen rechten Satz zu bilden. Denn wie die Alten sungen, zwitschern die Jungen!

Aus diesem Grunde sind gerade Gottherabzerrungen vielmals mit das erste, was die Jugend lernt in den nur anscheinend so harmlosen Gottesgesetz-Übertretungen!

Die Wirkung darin aber ist die schlimmste aller Übertretungen! Sie ist förmlich verheerend breitgelaufen unter aller Menschheit, nicht nur bei Christen, auch unter den Mohammedanern, unter Juden und Buddhisten, überall hört man dasselbe bis zum Überdruß!

Was kann dem Menschen dann der Name »GOTT« noch gelten! Er ist entwertet, wird nicht einmal so geachtet wie die kleinste aller Münzen! Viel schlimmer, wie ein abgetragenes Kleidungsstück. Und dieser sonst so klugseinwollende Mensch der Erde denkt es harmlos, sündigt darin mehr als hundertmal an einem Tage!

Wo bleibt die Überlegung, wo die kleinste Regung der Empfindung? Auch Ihr seid völlig abgestumpft dagegen, hört es ruhig an, wenn der heiligste aller Begriffe so in den Schmutz des Alltages getreten wird!

Irret Euch aber nicht! Das Schuldkonto im Jenseits ist damit erbarmungslos belastet für einen jeden, der darin gesündigt hat! Und es ist nicht so leicht, gerade dieses abzubüßen, weil es so weitlaufend schlechte Folgen nach sich zieht, welche sich rächen müssen bis ins dritte und das vierte Glied, wenn nicht in dieser Gliederreihe einmal ein Mensch ist, der darin zur Einsicht kommt und diesem üblen Treiben Einhalt tut.

Versucht deshalb die schadenbringende Gewohnheit in den Euch vertrauten Kreisen zu bekämpfen. Vor allen Dingen aber schneidet zuerst Eure eigenen Karmafäden durch mit aller in Euch noch vorhandenen Energie, damit das Schuldkonto nicht größer wird, als es darin schon ist. Glaubt nicht an eine leichte Ablösung, weil Ihr Euch bisher dabei gar nichts Übles dachtet! Der Schaden ist deshalb genau derselbe! Und die Sünde gegen das Gebot bleibt unbedingt bestehen! Ihr habt es ja genau gekannt.

Wenn Ihr Euch über dessen Tragweite nicht klarzuwerden recht bemühtet, so ist das Eure Schuld! Es kann Euch deshalb auch nichts abgerechnet werden! Hört und handelt, daß Ihr noch auf Erden vieles abzulösen fähig werdet.

Erschreckend ist sonst der Morast, der Euch erwartet, wenn Ihr in das Jenseits kommt, und der sich hemmend in den Weg zum Aufwärtssteigen legt.

Doch nicht der Einzelmensch allein, sondern auch die Behörden zeigten ihren Widerstand gegen dieses Gebot Jahrhunderte hindurch, indem sie zwangsweise den Menschen Eide abverlangten, sie gewaltsam zu der Übertretung drängten, unter Androhung irdischer Strafen, wenn sie dem Verlangen nicht entsprachen. Die jenseitige Strafe aber ist viel schwerer, und sie fällt auf alle die, welche den Eid verlangten, nicht auf die, die ihn unter dem Drucke leisten mußten. Auch Christus sagte noch einmal ausdrücklich:

"Euere Rede sei Ja oder Nein; denn was darüber ist, das ist vom Übel!"

Und die Behörden hatten doch die Macht, dem Ja oder dem Nein das ausschlaggebende Gewicht zu geben, indem sie es bei Täuschung vor Gericht ebenso bestraften wie den Meineid! Damit vermochten sie den Wert der Worte vor Gericht auf jene Stufe zu erhöhen, die sie für ein Urteil brauchten. Es war
nicht nötig, deshalb Menschen zu der Übertretung des Gebotes Gottes zwangsweise zu führen!

Noch schlimmer aber trieben es die Kirchen und ihre Vertreter, welche unter Gottanrufungen die Mitmenschen den ärgsten Folterungen unterwarfen, sie unter Gottanrufungen verbrannten, wenn sie nicht vorher schon den Qualen erlegen waren.

Der allen wohlbekannte und ob seiner Grausamkeit berüchtigte römische Kaiser Nero war in seinen Christenmartern nicht so schlimm, nicht so verdammenswert wie manche Kirche mit ihrem ungeheuren Sündenregister den Gottesgesetzen gegenüber! Erstens hat er lange nicht soviel gemordet und gequält und zweitens nicht unter so heuchlerischen Gottanrufungen, die in dieser Art mit zu den größten Gotteslästerungen zählen müssen, die zu verüben einem Menschen möglich ist.

Es nützt nichts, wenn diese selben Kirchen heute das verurteilen, was damals leider allzulange durch sie verbrochen ward; denn nicht freiwillig ließen sie davon!

Und heute noch treibt man es nicht viel anders in gegenseitiger, nur stillerer Befeindung und in einer anderen, moderneren Form! Auch hierin hat sich mit der Zeit nur seine Form geändert, nicht der lebende Kern! Und dieser Kern allein, den man so gern verbirgt, zählt vor dem Gottgericht, niemals äußere Form!

Und diese jetzige, nur anscheinend harmlose Form wurde geboren aus demselben unsagbaren Hochmute des Geistes der Vertreter aller Kirchen wie bisher. Und wo nicht der verdammenswerte Hochmut ist, findet sich leerer Dünkel, der sich auf die Erdenmacht der Kirchen stützt. Diese Untugenden ergeben oft genug die unpassendsten Feindschaften, die noch verwoben werden mit irdischen Berechnungen auf Ausbreitung des Einflusses, wenn nicht sogar bis zu der Sehnsucht einer großpolitischen Bedeutung.

Und das alles mit dem Namen »GOTT« auf ihren Lippen, so daß ich nochmals gleich dem Gottessohne rufen möchte: »Ihr habt durch Euer Tun die Häuser meines Vaters als Euch zu Ehren sein sollend zu Mördergruben abgestempelt! Diener des Gotteswortes nennt Ihr Euch, doch seid Ihr Diener Eures Hochmutes geworden!«

Ein jeder Katholik dünkt sich vor Gott weit besser als ein Protestant, ohne daß Ursache dazu vorhanden ist, ein jeder Protestant aber dünkt sich wissender, fortgeschrittener und damit seinem Gotte näher als der Katholik! Und das sind alle die, welche behaupten, Christi Anhänger zu sein, nach seinem Worte sich zu bilden.

Toren sind beide Teile, welche sich auf etwas stützen, das vor Gottes Willen überhaupt nicht zählt! Gerade diese alle sündigen weit mehr gegen das zweite Gottgebot als Anhänger der anderen Religionen; denn sie mißbrauchen den Namen Gottes nicht allein mit Worten, sondern durch die Tat, mit ihrer ganzen Art zu leben, sogar in ihrem sogenannten Gottesdienst.

Sie geben jedem Denkenden und gut Beobachtenden nur ein abschreckendes Beispiel inhaltloser Formen, leeren Denkens. Gerade in dem grenzenlosen Dünkel, sich und die Umgebung glauben machen zu wollen, den Andersgläubigen voran schon einen Platz im Himmel zu besitzen, schänden sie am tiefsten einen Gottbegriff!

Das Äußere der Kirchengebräuche, eine Taufe und so vieles andere, das tut es nicht! Der Innenmensch allein hat sich vor das Gericht zu stellen! Das merket Euch, Ihr Hochmütigen, denen schon verkündet ist, daß sie am Tage des Gerichtes auf sich eingebildet stolz einherziehen, mit Fahnen, prunkenden Gewändern, um sich freudig ihren Lohn zu holen. Doch sie erreichen nie das Reich des Geistes zu des Gottesthrones Füßen, weil sie den Lohn erhalten, der ihnen gebührt, bevor sie dahin kommen. Ein Eiseshauch wird sie hinwegwehen wie Spreu, die keinen Wert besitzt; denn ihnen fehlt die reine Demut in sich und die wahre Liebe zu dem Nächsten!

Sie sind durch ihre Art die ärgsten Mißbraucher des Namens »GOTT«, die schärfsten Übertreter des zweiten Gebotes!

Sie alle dienen Luzifer, nicht Gott! Und höhnen damit allen Gottgeboten! Von dem ersten bis zum letzten! Vorwiegend aber diesem zweiten, dessen Übertretung hier die schwärzeste Beschmutzung ist des Gottesbegriffes in dem Namen!

Hütet Euch, ferner noch leicht über das Gebot hinwegzugehen! Achtet nunmehr scharf auf Euch und Euere Umgebung! Bedenket, wenn Ihr neun Gebote treu erfüllet, und achtet deren eines nicht, so seid Ihr doch zuletzt verloren!

Wenn ein Gebot von Gott gegeben wird, so liegt darin schon der Beweis, daß es nicht leicht genommen werden darf, daß es erfüllet werden muß in unerläßlicher Notwendigkeit! Sonst wäre es Euch nie gegeben.

Wagt nicht zu beten, wenn Ihr nicht mit ganzer Seele in den Worten mitzuschwingen fähig seid, und hütet Euch, gedankenlose Schwätzer Eurem Gotte gegenüber darzustellen; denn Ihr wäret damit eines Mißbrauches des Namens Gottes vor ihm schuldig.

Überlegt es Euch genau, bevor Ihr ihn um etwas bittet, ob es dringend nötig ist! Verstrickt Euch nicht in Formgebete, welche herzuplappern zu bestimmten Zeiten Unsitte geworden ist in allen Religionsausübungen. Es ist dies nicht nur Mißbrauch, sondern Lästerung des Gottesnamens!

In Freude oder Not bleibt heißes Empfinden ohne Worte viel mehr wert als tausend Wortgebete, auch wenn dieses Empfinden nur den Bruchteil eines Augenblickes währt. Denn solch Empfinden ist dann immer echt und keine Heuchelei! Deshalb auch niemals Mißbrauch des Begriffes Gott.

Es ist ein heiliger Augenblick, wenn sich der Menschengeist bittend oder dankend vor des Gottesthrones Stufen werfen will! Das darf nie Zum gewohnheitsmäßigen Geschnatter werden! Auch nicht von Dienern einer Kirche!

Der Mensch, welcher es fertigbringt, den Namen Gott bei allen möglichen und unmöglichen Taggelegenheiten zu verwenden, hat nie die kleinste Ahnung von dem Gottbegriff gehabt! Als Menschengeist muß er die Fähigkeit besitzen, Gottesahnen in sich zu empfinden, auch wenn es nur einmal in seinem Erdenleben sei! Aber dies eine Mal allein würde genügen, ihm jede Lust zur leichtfertigen Übertretung des zweiten Gebotes unbedingt zu nehmen! Er wird dann ewig das Bedürfnis in sich tragen, den Namen »GOTT« nur auszusprechen in der höchsten Reinheit seines ganzen Inneren!

Wer das nicht hat, ist weit entfernt, auch nur des Gotteswortes wert zu sein, um wieviel weniger, in Gottes Reich zu kommen, seine beseligende Nähe Zu genießen! Aus diesem Grunde ist es auch verboten, ein Bild Gottvaters herzustellen nach der Menschen Sinn! Jeder Versuch darin muß nur zu einer kläglichen Verkleinerung hinführen, da weder Menschengeist noch Menschenhand dazu befähigt ist, auch nur den kleinsten Teil der Wirklichkeit visionär zu schauen und davon im Bilde irdisch festzuhalten! Das größte Kunstwerk darin könnte nur tiefe Herabsetzung bedeuten. Ein Auge ganz allein deutet in seinem unsagbaren Leuchten alles an.-

Also erhaben ist die für Euch unfaßbare Größe, die Ihr in dem Worte »GOTT« zusammenfaßt und die Ihr in leichtsinniger Vermessenheit Euch oft erkühnt, als die gebräuchlichste der leeren und gedankenlosen Redensarten zu verwenden! Ihr werdet Rechenschaft zu geben haben über dieses Euer Tun!

 

5. DU SOLLST NICHT TÖTEN!

Schlag nur an Deine Brust, o Mensch, und preise laut, daß Du kein Mörder bist! Denn töten ist ja morden, und nach Deiner Überzeugung hast Du das Gebot des Herrn nie übertreten. Stolz kannst Du vor ihn hintreten und ohne Furcht und Bangen dem Aufschlagen gerade dieser Seite Deines Lebensbuches hoffnungsvoll entgegensehen.

Hast Du jedoch einmal dabei bedacht, daß es für Dich auch ein Ertöten gibt und daß ertöten gleichbedeutend ist mit töten?

Es liegt darin kein Unterschied. Du machst ihn nur allein in Deiner Ausdrucksweise, Deiner Sprache; denn das Gebot sagt nicht einseitig: Du sollst kein grobstoffliches Erdenleben töten! Sondern groß, umfassend, kurz: Du sollst nicht töten!

Ein Vater hatte beispielsweise einen Sohn. Den Vater trieb der kleine Erdenehrgeiz, daß der Sohn studieren müsse, um jeden Preis. In diesem Sohne aber ruhten Gaben, die ihn drängten, anderes zu tun, wobei ihm das Studieren gar nichts nützen konnte.

Da war es ganz natürlich, daß der Sohn für dieses aufgezwungene Studieren keine Lust in sich verspürte, auch die Kraft nicht freudig aufzubringen fähig war. Gehorsam aber forderte der Vater. Gehorsam leistete der Sohn. Er mühte sich auf Kosten der Gesundheit, seines Vaters Willen zu erfüllen. Da es aber gegen die Natur des Sohnes war, gegen die Gaben, die er in sich trug, war es ganz selbstverständlich, daß der Körper auch darunter litt.

Ich will dem Falle hier nicht weiter folgen, der sich im Erdensein so vielfach wiederholt. Unwiderlegbar aber ist es, daß der Vater hier in diesem Sohne durch seinen Ehrgeiz oder Starrsinn etwas zu ertöten suchte, was dem Sohne auf die Erde zur Entwicklung mitgegeben war! In vielen Fällen glückt es auch, es wirklich zu ertöten, da die Entwicklung in der späteren Zeit dann kaum noch möglich ist, weil die gesunde Hauptkraft dafür in der besten Zeit gebrochen wurde, an für die Natur des Knaben fremdseiende Dinge leichtfertig vergeudet.

Der Vater nun verstieß damit schwer gegen das Gebot: Du sollst nicht töten! Ganz abgesehen davon, daß er mit seinem Tun den Menschen etwas vorenthielt, was vielleicht sehr zu ihrem Nutzen werden konnte durch den Knaben! Jedoch er muß bedenken, daß der Knabe wohl geistverwandt mit ihm oder der Mutter ist oder sein kann, trotzdem vor dem Schöpfer aber eine eigene Persönlichkeit verbleibt, welche verpflichtet ist, die Gaben zu entwickeln, die sie auf die Erde mitbekam, zu ihrem eigenen Besten.

Vielleicht war dem Knaben damit durch Gottes Gnade sogar auch gewährt, ein schweres Karma abzulösen, indem er irgendwas erfinden sollte, was der Menschheit in bestimmtem Sinne großen Nutzen bringt!

Schwer legt sich diese Schuld einer Verhinderung noch ganz besonders auf den Vater oder auf die Mutter, die ihre kleinen Erdanschauungen über die großen Schicksalsfäden setzten und damit ihre Macht der Elternschaft mißbrauchten.

Nicht anders ist es, wenn die Eltern bei den Ehen ihrer Kinder die kleinlichen Erdberechnungen ihres Verstandes vorherrschen zu lassen fähig sind. Wie oft wird dabei eine edelste Empfindung ihres Kindes rücksichtslos erstickt, wodurch dem Kinde wohl die Erdensorglosigkeit, aber dabei auch das Seelenunglück mitgegeben wird, das einschneidender für das Sein des Kindes bleibt als alles Geld und irdisch Gut.

Natürlich soll nicht jedem Traume oder Wunsche eines Kindes von den Eltern nachgegeben sein. Das wäre nicht Erfüllung ihrer Elternpflicht. Aber die ernste Prüfung wird gefordert, die niemals irdisch einseitig sein darf! Gerade diese Prüfung aber in selbstloser Art wird selten oder gar nicht von den Eltern angewendet.

So gibt es Fälle tausendfacher Art. Es ist nicht nötig, daß ich mehr darüber spreche. Denkt selbst darüber nach, damit Ihr nicht gegen dieses so schwerwiegende Gotteswort in dem Gebot verstoßt! Es werden sich Euch ungeahnte Wege dabei öffnen!

Doch auch das Kind kann bei den Eltern Hoffnungen ersticken, welche berechtigt sind! Wenn es die Gaben in sich nicht entwickelt, wie es nötig ist, um darin Großes zu erreichen, sobald die Eltern entgegenkommend das Kind den Weg wählen ließen, den es sich erbat. Auch dann kommt es zum Abtöten edler Empfindungen bei seinen Eltern, und es hat das Gebot in roher Weise übertreten!

Auch wenn der Mensch irgendwie wahre Freundschaft täuscht oder Vertrauen, das ihm jemand schenkt. Er tötet und verletzt damit im anderen etwas, was wirklich Leben birgt! Es ist Verstoß gegen das Gotteswort: Du sollst nicht töten! Bringt ihm übles Schicksal, das er lösen muß.

Ihr seht, daß alle Gebote nur die besten Freunde für die Menschen sind, um sie vor Übel und vor Leid treu zu bewahren! Deshalb liebet sie und achtet sie als einen Schatz, welchen zu hüten Euch nur Freude bringt!

 

DAS VATERUNSER

Es sind nur wenige Menschen, welche sich bewußt zu machen suchen, was sie eigentlich wollen, wenn sie das Gebet »Vaterunser« sprechen. Noch weniger, die wirklich wissen, was der Sinn der Sätze ist, die sie dabei hersagen. Hersagen ist wohl die einzig richtige Bezeichnung für den Vorgang, den der Mensch in diesem Falle beten nennt.

Wer sich darin rücksichtslos prüft, muß dies zugeben, oder er legt sonst Zeugnis dafür ab, daß er sein ganzes Leben in gleicher Art verbringt … oberflächlich, und eines tiefen Gedankens nicht fähig ist, nie fähig war. Es gibt genug davon auf dieser Erde, die sich selbst wohl ernst nehmen, aber von den andern mit dem besten Willen nicht ernst genommen werden können.

Gerade der Anfang dieses Gebetes wird schon von jeher falsch empfunden, wenn auch in verschiedenen Arten. Die Menschen, die dieses Gebet ernst vorzunehmen versuchen, also mit einem gewissen guten Wollen darangehen, fühlen in sich nach oder bei diesen ersten Worten ein gewisses Gefühl des Geborgenseins in sich aufsteigen, der seelischen Beruhigung! Und dieses Gefühl bleibt bei ihnen vorherrschend bis einige Sekunden nach dem Beten.

Das erklärt zweierlei: Erstens, daß der Betende seinen Ernst nur die ersten Worte durchhalten kann, wodurch sie dieses Gefühl in ihm auslösen, und zweitens, daß gerade die Auslösung dieses Gefühles beweist, wie weit entfernt er davon ist, zu erfassen, was er damit sagt!

Deutlich zeigt er seine Unfähigkeit darin, mit tieferem Denken durchzuhalten, oder auch seine Oberflächlichkeit; denn sonst müßte bei den weiteren Worten sofort wieder ein anderes Gefühl entstehen, dem geänderten Inhalt der Worte entsprechend, sobald diese in ihm wirklich lebendig werden.

Also bleibt es in ihm bei dem, was nur die ersten Worte erwecken. Würde aber von ihm der richtige Sinn und die wahre Bedeutung der Worte erfaßt, so müßten diese ein ganz anderes Empfinden in ihm auslösen als das eines behaglichen Geborgenseins.

Anmaßendere Menschen wieder sehen in dem Worte »Vater« die Bestätigung dafür, direkt von Gott abzustammen und damit bei richtiger Entwicklung zuletzt selbst göttlich zu werden, zur Zeit aber unbedingt schon Göttliches in sich zu tragen. Und so gibt es der Irrungen unter den Menschen über diesen Satz noch viele.

Die meisten aber halten ihn einfach für die Ansprache im Gebet, den Anruf! Dabei brauchen sie am wenigsten zu denken. Und dementsprechend wird es auch gedankenlos dahingesprochen, trotzdem gerade auch in dem Anruf Gottes die ganze Inbrunst liegen müßte, deren eine Menschenseele überhaupt fähig werden kann.

Aber das alles soll dieser erste Satz nicht sagen und nicht sein, sondern der Gottessohn legte
in die Wahl der Worte gleichzeitig die Erklärung oder den Hinweis, in welcher Art eine Menschenseele zum Gebet schreiten soll, wie sie vor ihren Gott treten darf und muß, wenn ihr Gebet Erhörung finden soll. Er sagt genau, welche Beschaffenheit sie in dem Augenblicke besitzen muß, wie ihr Zustand der reinen Empfindung zu sein hat, wenn sie ihr Bitten an die Stufen des Gottesthrones legen will.

So teilt sich das ganze Gebet in drei Teile. Der erste Teil ist das ganze Sichbringen, Sichgeben der Seele ihrem Gotte gegenüber. Sie breitet sich bildlich gesprochen aufgeschlagen vor ihm aus, bevor sie mit einem Anliegen kommt, legt zuvor Zeugnis ab für ihre eigene reine Willensfähigkeit.

Der Gottessohn will damit klarlegen, welches Empfinden allein die Grundlage bilden darf für eine Annäherung an Gott! Deshalb kommt es wie ein großes, heiliges Geloben, wenn am Anfange die Worte stehen: »Vater unser, der Du bist im Himmel!«

Bedenket, daß Gebet nicht gleichbedeutend ist mit Bitte! Sonst würde es ja kein Dankgebet geben, in dem keine Bitte enthalten ist. Beten ist nicht bitten. Schon darin ist das »Vaterunser« bisher stets verkannt worden, aus der üblen Gewohnheit des Menschen heraus, nie vor Gott zu treten, wenn er nicht gleichzeitig etwas von ihm erwartet oder gar verlangt; denn im Erwarten liegt ja das Verlangen. Und der Mensch erwartet tatsächlich dabei immer etwas, das kann er nicht leugnen! Sei es auch in großen Zügen gesprochen in ihm nur das nebelhafte Gefühl, einst einmal einen Platz im Himmel zu erhalten.

Jubelnden Dank im freudigen Genießen seines ihm gewährten bewußten Seins in der von Gott gewollten oder von Gott mit Recht erwarteten Mitwirkung in der großen Schöpfung zum Wohle seiner Umgebung kennt der Mensch nicht! Er ahnt ja auch nicht, daß gerade das und nur das sein wirkliches eigenes Wohl in sich birgt, und seinen Fortschritt, seinen Aufstieg.

Auf solcher von Gott gewollten Grundlage aber steht in Wahrheit das Gebet »Vaterunser«! Anders hätte es der Gottessohn gar nicht geben können, der nur das Wohl der Menschen wollte, das allein in richtiger Gotteswillenbeachtung und -erfüllung ruht!

Das von ihm gegebene Gebet ist also nichts weniger als ein Bittgebet, sondern ein großes, alles umfassendes Gelöbnis des Menschen, der sich seinem Gott darin zu Füßen legt! Jesus hat es seinen Jüngern gegeben, die damals bereit waren, in der reinen Gottesanbetung zu leben, Gott durch ihr Leben in der Schöpfung zu dienen und in diesem Dienen seinen Heiligen Willen zu ehren!

Der Mensch sollte es sich wohl und reiflich überlegen, ob er es wagen darf, dieses Gebet überhaupt zu verwenden und zu sprechen, sollte sich ernsthaft prüfen, ob er in der Verwendung nicht etwa versucht, seinen Gott zu belügen!

Die einleitenden Sätze ermahnen deutlich genug, daß sich ein jeder prüfen soll, ob er auch wirklich so ist, wie er darin spricht! Ob er damit ohne Falsch vor Gottes Thron zu gehen wagt!

Erlebt Ihr aber die ersten drei Sätze des Gebetes in Euch, so werden sie Euch vor die Stufen des Gottesthrones führen. Sie sind der Weg dazu, wenn sie in einer Seele zum Erleben kommen! Kein anderer führt dahin. Aber dieser sicher! Bei Nichterleben dieser Sätze jedoch kann von Euren Bitten keine dahin kommen.

Es soll ein ergebener und doch freudiger Ausruf sein, wenn Ihr zu sagen wagt: »Vater unser, der Du bist im Himmel!«

In diesem Rufe liegt Eure aufrichtige Beteuerung: »Ich gebe Dir, o Gott, alle Vaterrechte über mich, denen ich mich kindlich beugend fügen will! Damit erkenne ich auch an Deine Allweisheit, Gott, in allem, was Deine Bestimmung bringt, und bitte, über mich so zu verfügen, wie ein Vater über seine Kinder zu verfügen hat! Hier bin ich, Herr, auf Dich zu hören und Dir kindlich zu gehorchen!«

Der zweite Satz: »Geheiliget werde Dein Name!«

Es ist dies die Versicherung der anbetenden Seele, wie ernst es ihr in allem ist, was sie zu Gott zu sprechen wagt. Daß sie mit voller Empfindung bei jedem der Worte und Gedanken ist und nicht durch Oberflächlichkeit Mißbrauch des Gottesnamens treibt! Da ihr der Name Gottes viel zu heilig dazu ist!

Bedenkt, Ihr Betenden, was Ihr damit gelobt! Wenn Ihr ganz ehrlich gegen Euch sein wollt, so müßt Ihr bekennen, daß Ihr Menschen Gott bisher gerade damit in das Angesicht gelogen habt; denn Ihr waret nie so ernst bei dem Gebet, wie es der Gottessohn voraussetzend in diesen Worten als Bedingung niederlegte!

Der dritte Satz: »Zu uns komme Dein Reich!« ist wieder keine Bitte, sondern nur ein weiteres Gelöbnis! Ein Sichbereiterklären dafür, daß es durch die Menschenseele auf der Erde derart werden soll, wie es im Gottesreiche ist!

Deshalb das Wort: »Zu uns komme Dein Reich!« Das heißt: wir Menschen wollen es auf Erden hier auch so weit bringen, daß Dein vollkommenes Reich sich bis hierher erstrecken kann! Der Boden soll von uns bereitet werden, daß alles nur in Deinem Heiligen Willen lebt, also Deine Schöpfungsgesetze voll erfüllt, damit es so ist, wie es in Deinem Reiche, dem geistigen Reiche, geschieht, wo die gereiften und von aller Schuld und Schwere freigewordenen Geister sich aufhalten, die nur dem Gotteswillen dienend leben, weil nur in dessen unbedingter Erfüllung durch die darin ruhende Vollkommenheit Gutes ersteht. Es ist also die Zusicherung, so werden zu wollen, daß auch die Erde durch die Menschenseele ein Reich der Erfüllung des Gotteswillens wird!

Diese Beteuerung wird durch den nächsten Satz noch verstärkt: »Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!«

Das ist nicht nur die Erklärung der Bereitwilligkeit, sich in den göttlichen Willen ganz einzufügen, sondern auch darin liegend das Versprechen, sich um diesen Willen zu kümmern, nach der Erkennung dieses Willens mit allem Eifer zu streben. Dieses Streben muß ja einer Einfügung in diesen Willen vorausgehen; denn solange ihn der Mensch nicht richtig kennt, vermag er sich auch nicht mit seinem Empfinden, Denken, Reden und Tun darnach zu richten!

Welcher ungeheure, strafbare Leichtsinn ist es nun für jeden Menschen, diese Zusicherungen immer und immer wieder seinem Gott zu geben, während er sich in Wirklichkeit gar nicht darum kümmert, welcher Art der Gotteswille ist, der in der Schöpfung fest verankert ruht. Der Mensch lügt ja mit jedem Worte des Gebetes, wenn er es zu sprechen wagt! Er steht damit vor Gott als Heuchler! Häuft auf alte Schulden immer wieder neue, und fühlt sich schließlich noch beklagenswert, wenn er feinstofflich in dem Jenseits unter dieser Last zusammenbrechen muß.

Erst wenn nun diese Sätze von einer Seele als Vorbedingung wirklich erfüllt sind, dann kann sie weiter sprechen:

»Unser täglich Brot gib uns heute!«

Das heißt soviel als: »Wenn ich erfüllt habe, was ich versicherte zu sein, so laß Deinen Segen auf meinem Erdenwirken ruhen, auf daß ich in Besorgung meiner grobstofflichen Notwendigkeiten immer Zeit behalte, Deinem Willen nachleben zu können!«

»Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern!«

Darin liegt Wissen von der unbestechlichen, gerechten Wechselwirkung geistiger Gesetze, die den Willen Gottes geben. Gleichzeitig auch der Ausdruck der Versicherung vollen Vertrauens darauf; denn die Bitte um Vergebung, also Lösung aus der Schuld, baut sich bedingungsweise auf auf die vorherige Erfüllung durch die Menschenseele, des eigenen Vergebens alles Unrechtes, das Nebenmenschen an ihr taten.

Wer aber dessen fähig ist, wer seinen Nebenmenschen alles schon vergeben hat, der ist auch so in sich geläutert, daß er selbst mit Absicht niemals Unrecht tut! Damit ist er vor Gott auch frei von aller Schuld, da dort nur alles das als Unrecht gilt, was übelgewollt mit Absicht getan wird. Nur dadurch wird es erst zum Unrecht. Ein großer Unterschied liegt darin zu allen zur Zeit bestehenden Menschengesetzen und Erdanschauungen.

Somit ist also auch in diesem Satz als Grundlage wiederum ein Versprechen jeder nach dem Lichte strebenden Seele ihrem Gott gegenüber, Erklärung ihres wahren Wollens, für dessen Erfüllung sie in dem Gebet durch das Vertiefen und Sichklarwerden über sich selbst Kraft zu erhalten hofft, die ihr bei rechter Einstellung auch wird nach dem Gesetz der Wechselwirkung.

"Und führe uns nicht in Versuchung!"

Es ist ein falscher Begriff, wenn der Mensch in den Worten lesen will, daß er durch Gott versucht würde. Gott versucht niemand! In diesem Falle handelt es sich nur um eine unsichere Überlieferung, welche ungeschickterweise dieses Wort Versuchung wählte. In seinem rechten Sinne ist es einzureihen in Begriffe wie Verirren, Verlaufen, also falsch laufen, falsch suchen auf dem Wege dem Lichte entgegen.

Es heißt soviel wie: »Laß uns nicht falsche Wege einschlagen, nicht falsch suchen, laß uns nicht die Zeit versuchen! Vertrödeln, vergeuden! Sondern halte uns, wenn nötig, gewaltsam davon zurück, auch wenn uns solche Notwendigkeit als Leid und Schmerz treffen muß.«

Diesen Sinn muß der Mensch auch schon heraushören durch den sich anschließenden und ja auch dem Wortlaute nach direkt dazu gehörenden Teilsatz: »Sondern erlöse uns von dem Übel!«

Das »sondern« zeigt deutlich genug die Zusammengehörigkeit. Der Sinn ist gleichbedeutend mit: »Laß
uns das Übel erkennen, um jeden Preis für uns, auch um den Preis des Leidens. Mache uns durch Deine Wechselwirkungen bei jedem Fehlen dazu fähig.« In dem Erkennen liegt auch das Erlösen, für die, so guten Willens dazu sind!

Damit endet der zweite Teil, das Gespräch mit Gott. Der dritte Teil bildet den Schluß: »Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit! Amen!«

Als ein jubelndes Bekenntnis des Sichgeborgenfühlens in der Allmacht Gottes bei Erfüllung alles dessen, was die Seele als Gelöbnis ihm in dem Gebet zu Füßen legt!-

Dieses von dem Gottessohn gegebene Gebet hat also zwei Teile. Die Einleitung des Sichnahens und das Gespräch. Zuletzt ist durch Luther das jubelnde Bekenntnis des Wissens von der Hilfe für alles das hinzugekommen, was das Gespräch enthält, des Erhaltens der Kraft für die Erfüllung dessen, was die Seele ihrem Gott gelobte. Und die Erfüllung muß die Seele dann hinauftragen in das Reich Gottes, das Land der ewigen Freude und des Lichtes!

Damit wird das Vaterunser, wenn es wirklich erlebt ist, die Stütze und der Stab zum Aufstiege in das geistige Reich!

Der Mensch soll nicht vergessen, daß er sich in einem Gebet eigentlich nur die Kraft zu holen hat, das selbst verwirklichen zu können, was er erbittet! So soll er beten! Und so ist auch das Gebet gehalten, das der Gottessohn den Jüngern gab!

 

 

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